.In den einzelnen Hütten sitzen die Mitarbeiter. Der "Dorfplatz" ist gepflastert. Hier versammeln sich die "Bewohner"
zum Essen oder zu Besprechungen.
Ein ebenfalls gepflasterter Weg führt von Hütte zu Hütte. SIK steht nicht umsonst
für Spiel, Individualität und Kreativität.
Oft, sagt Gust, kämen die Kunden schon
mit festen Vorstellungen. Die meisten seien Profis, Betreiber von Freizeitparks oder Landschaftsplaner, Leute, die jeden Tag Mütter und Kinder beim Spielen beobachten, die sich beruflich mit dem “Spielen im öffentlichen Raum” befassen. Die müsse man mit den Ideen und Entwürfen schon in fantastische Räume eintauchen lassen, die Kinder in der Vorstellung lebendig machen. “Die müssen das Juchzen der Kinder hören können”, sagt Klaus-Peter Gust.
1987 hat er sein erstes Gewerbe in der DDR angemeldet. Die Behörde lehnte ab.
Zu groß waren die Bedenken, er würde Möbel restaurieren und in den Westen verkaufen. Der zweite Antrag 1988 wurde genehmigt. In der "Wohnumfeldverbes-
serung durch Kinderspielplatzgeräte" konnte nichts beanstandungswürdiges entdeckt werden. So entstanden erste Spielplätze in der Umgebung. Während der turbulenten Wendezeit erkannten Gust und seine Frau, die von Beginn an ebenfalls im Betrieb arbeitet, das Potenzial ihrer Ge-
schäftsidee. Zunächst in der Verwandt-
schaft, in Kindergärten und der Kirche, dann kamen schrittweise größere Aufträge, wuchs das Vertrauen der Kunden und damit die Anforderungen an das Manage-
ment. Auch die Räumlichkeiten wurden zu eng. Der ehemalige Kuhstall, der heute die Zentrale des Unternehmens ist, wurde
1995 gekauft und drei Jahre später fertiggestellt. Gedacht war er für 40 Mitarbeiter. Heute sind es vier mal soviel. Inzwischen, sagt Gust, habe man sich eine gewisse Robinien-Kompetenz erarbeitet. Etwa elf Millionen Euro will der Künstler-Unternehmer in diesem Jahr mit seinen Holzspielgeräten umsetzen.
Der Spielplatzphilosoph.
Fantastische Räume für Kinder.
Klaus-Peter Gust ist eine ungewöhnliche Mischung. Mit den schulterlangen Haaren, die von einem farbenprächtigen Stirnband gebändigt werden, sieht er aus, wie der Künstler, der er von Hause aus ist. Dennoch kommen aus seinem Mund Worte wie Bedarfsträger, normierte Verfahren, definierter Qualitätsstandard und Bau-
musterprüfung. Kunst und Management
hat Gust eindrucksvoll miteinander verbunden in seiner Firma SIK-Holzgestal-
tungs GmbH. Die schickt mit ihren Spielplätzen Kinder ins Abenteuerland.
Weit reißt das Krokodil sein Maul auf,
dass bald schon Kinder verschlingen soll. Das Eichhörnchen gegenüber wird noch mit der Kettensäge malträtiert. Es macht ihm nichts aus, es ist aus einem harten Holz geschnitzt: der Robinie. Das witterungs-
beständige Holz ist härter als das der Eiche und kann sehr gut für Bauten im Außen-
bereich eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil: 85 Prozent aller Robinien in Deutschland stehen in Brandenburg.
In der Holzbildhauerei ist es laut, es riecht nach frischem Holz und die Späne wirbeln durch die Luft. Das Eichhörnchen ist für einen Spielplatz in Dänemark. Aus dem Stapel Holz auf dem Hof entsteht die Arche Noah, ein anderer wird zu einem Stelzen-
haus. In einer weiteren Halle wächst ein
30 Meter langes Spielschiff. Der größte Spielplatz, den Gust je entworfen und gebaut hat, steht in Spanien und stellt Episoden aus der Geschichte des Landes dar. Dem Thema Spielplatz nähert sich der 48-Jährige philosophisch, spricht davon “Räume zu denken”, von der “Individualität des Spielenden”, von “Räumen des Wohl-
befindens” und “Inszenierungen”. Bewe-
gung will der Autodidakt mit seinen Spie-
plätzen fördern, den Entdeckertrieb
der Kinder anregen. Auch sein Büro ist
ein Spielplatz. In das Innere eines alten Kuhstalles hat er ein kleines Piratendorf gebaut.