Inzwischen sind sogar diverse Meta-
Studien erhältlich, also Studien, welche die Ergebnisse der Einzelstudien untersuchen. Diese kommen meistens aus dem anglo-
amerikanischen Raum und bilanzieren eine „leichte Überperformance, bei leicht
höherem Risiko“.
Das Deutsche Aktieninstitut sieht ebenfalls kein „einheitliches Bild“ von den Zusammen-
hängen zwischen sozialen und ökolo-
gischen Engagement und Unternehmens-
erfolg in den bisherigen Studien. Es stellt
aber gleichzeitig fest, dass keine Studie eine systematische Unter-Performance
von nachhaltigen Fonds bzw. Indizes feststellt. Lohnen sich also nachhaltige Geldanlagen für private Investoren?
Rendite und verantwortungsbewusste
Geldanlage schließen sich nicht aus. Schon
die nordamerikanischen Quäker weigerten
sich ihr Geld in Geschäfte zu investieren, die Sklavenhandel und Waffenherstellung, Tabak, Alkohol oder Glücksspiel involvier-
ten. Die so genannten „Sin Stocks“ waren Tabu. Der Begriff „Socially Responsible Investment“ stammt aus den USA, wird allerdings auch im angelsächsischen Raum nicht einheitlich verwandt. In Deutschland wird der Begriff „nachhaltige Geldanlage“ genutzt. Erste ökologieorientierte Anlage-
produkte gab es in hier ab Mitte der 1970er Jahre, vorwiegend Sparpläne, Sparkonten oder Festgeldanlagen. Der erste Umwelt-
Investmentfonds wurde im Jahr 1989
aufgelegt. Seitdem hat sich die Zahl der prinzipiengeleiteten Fonds im auf rund
100 Publi-kumsfonds erhöht. Auch Walter Kahlenborn hält diesen Markt für einen Wachstumsmarkt. Allerdings hinkt Deutsch-
land im europäischen Vergleich ein wenig hinterher. Spitzenreiter sind Großbritannien und die Schweiz. Auch bei den einzelnen
Formen nachhaltiger Geldanlagen
gibt es Unterschiede.
Grünes Geld verzichtet
nicht mehr auf Rendite.
Rund 86 Prozent der Bundesbürger sind
der Meinung, dass soziale Verantwortung Unternehmen auf Dauer erfolgreicher macht. Einige Untersuchungen beweisen, dass verantwortungsbewusste Unternehmen deutlich profitabler sind als der Branchen-
durchschnitt und das Nachhaltigkeit als Unternehmensleitbild sich langfristig bezahlt macht. Nachhaltige Indizes wie der Dow Jones Sustainability Index (DJSI) oder der FTSE4Good Europe schneiden besser
ab als herkömmliche Börsenindices.
Andere Untersuchungen, zum Beispiel eine Studie der ZEW, kommen zu dem Ergebnis: nachhaltiges Wirtschaften spiegelt sich nur wenig im Börsenwert einer Aktiengesell-
schaft wider. Umweltaspekte beeinflussen zwar leicht positiv, soziale Leistungen dagegen eher negativ. Trotzdem, mit zehn Prozent Steigerung im Jahresdurchschnitt wächst der Markt für nachhaltige Geldan-
lagen rasant. Der Trend: 47 Prozent der Finanzmakler in Deutschland erwarten wei-
terhin ein kräftiges Wachstum. Das ergab eine Befragung des F.A.Z.-Instituts unter 100 Top-Finanzmaklern in Deutschland.
„Eine sehr schwierige, kaum nachvollzieh-
bare Materie“, konstatiert Walter Kahlenborn, Diplom-Wirtschaftsingenieur, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Forums Nach-
haltige Geldanlagen. Das Forum ist eine Informationsplattform mit dem Ziel, Publizität und Transparenz des Themas „Nachhaltige Geldanlagen“ zu fördern. Dazu gibt man inzwischen jährlich einen Statusbericht heraus, der den deutschsprachigen Markt für nachhaltige Investitionen untersucht.
Zu den 80 Mitgliedern gehören unter anderem Finanzdienstleister, Banken, Pensionsfonds, Rating-Agenturen, Wissenschaftler, Medien und Stiftungen. „Widersprüchliche Aussagen sind logisch“, fährt Kahlenborn fort, „denn es gibt Hunderte von Untersuchungen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden, verschiedene Faktoren zum Schwerpunkt haben oder unterschiedliche Methoden zur Untersuchung nutzen.“